The Manifesto
Finaler Text
JUST FASHION MANIFEST
Ein Manifest, das
Prinzipien für ein gerechtes Modesystem formuliert.
die Rechte der Arbeiter*innen mit dem Einsatz für Klimagerechtigkeit verbindet.
gerechte Mode als Zusammenwirken von globaler Solidarität und gemeinsamem Handeln begreift.
Stell dir ein gerechtes Modesystem vor, das Menschen über Profite stellt.
Ein System, in dem niemand ausgebeutet wird und der Planet nicht für billige Kleidung zerstört wird. Das ist möglich,wenn wir uns gemeinsam für ein würdevolles Leben und eine lebenswerte Zukunft einsetzen. Unser Manifest skizziert eine gemeinsame Vision: ein gerechtes Modesystem, das würdige, klimaresiliente Arbeitsplätze auf einem gesunden Planeten schützt und schafft.
Prekäre Lebensbedingungen. Steigende globale Temperaturen. Geschlechtsspezifische und rassistische Gewalt. Ökologischer Kollaps. Extraktive Technologien. Eskalierende Kriege. Die größten Herausforderungen unserer Zeit wurzeln in der Ausbeutung von Mensch und Planet – für den Profit weniger. Diese Herausforderungen sind kein Zufall. Sie sind das Ergebnis von Entscheidungen, die von milliardenschweren Konzernen und von Regierungen getroffen werden, die innerhalb eines kapitalistischen Systems agieren. Die heutige Modeindustrie gedeiht anhand globaler Ungleichgewichte in Bezug auf Macht und Geld, feinjustiert durch Jahrhunderte des Kolonialismus und Imperialismus. Während die reichsten Modekonzerne immer reicher werden, leiden Millionen Textilarbeiter*innen unter Armutslöhnen, Überlastung und fehlendem Schutz. Die meisten von ihnen sind Frauen.
Rücksichtslose Ausbeutung als Geschäftsmodell
Die Geschäftsmodelle der Modebranche basieren auf der rücksichtslosen Ausbeutung von Arbeitskräften und Ressourcen unseres Planeten. Jedes Jahr werden Milliarden von Kleidungsstücken, Schuhen und Accessoires hergestellt. Diese Überproduktion zerstört Böden, vergiftet Gewässer, verschmutzt die Luft, beschleunigt Entwaldung und Artensterben. Unterdessen quellen Mülldeponien und Flüsse weltweit über vor kaum getragenen Kleidungsstücken, wodurch Gemeinden mit umweltschädlichem Textilabfall belastet werden.
Die Klimakrise ist keine ferne Bedrohung, sie vertieft schon jetzt Ungleichheiten. Gerade die Arbeiter*innen, die ohnehin ums Überleben kämpfen, zahlen den höchsten Preis für den Klimawandel. Überschwemmungen, Stürme und Hitzewellen führen zur Schließung von Arbeitsstätten und gefährden das Leben der Arbeiter*innen.
Bei extremen Wetterbedingungen können überzogene Produktionsziele noch schwerer erreicht werden. Armutslöhne und fehlende soziale Absicherung lassen Arbeiter*innen schutzlos zurück, wenn Katastrophen eintreten. Gewerkschaften, die ihre Rechte vertreten und ihre Forderungen hörbar machen könnten, werden unterdrückt.
Wir brauchen ein neues Modesystem
Viele angebliche „Lösungsvorschläge“ zur Klimakrise von Modemarken behandeln Arbeitsrechte als ein separates Thema oder riskieren sogar, die Lage der Arbeiter*innen zu verschlechtern. Arbeitsplätze gehen verloren, Löhne bleiben unbezahlt und Arbeiter*innen werden von zukunftsgerichteten Entscheidungen ausgeschlossen, die schon heute ihr Leben prägen.
Wir wissen: Eine kaputte Industrie lässt sich nicht reparieren. Stattdessen bauen wir ein neues, gerechtes Modesystem auf. Ein System, das die Würde der Arbeiter*innen und die Wiederherstellung unseres Planeten ins Zentrum stellt. Dieser Wandel wird nicht über Nacht geschehen. Er erfordert kurzfristige Reformen und langfristig die Transformation des Systems. Beide Wege verstärken sich gegenseitig im fortlaufenden Kampf für eine gerechte Mode.
Unser Manifest formuliert Prinzipien für ein gerechtes Modesystem – die Grundlage für alle Handlungen zur Zukunft der Mode.
Ein gerechtes Modesystem …
garantiert menschenwürdige Arbeit, hohe Lebensqualität und gleiche Rechte für alle Arbeiter*innen entlang der Wertschöpfungskette.
sichert Gerechtigkeit in all ihren Formen – sozial, wirtschaftlich, geschlechtsspezifisch und klimabezogen – heute und in Zukunft.
verteilt Reichtum um - in die Hände der Arbeiter*innen. Alle erhalten existenzsichernde Löhne und universelle soziale Absicherung.
stellt sicher, dass die Kosten für Klimaanpassung und -schutz gerecht getragen werden.
lädt die Arbeiter*innen dazu ein, bei Entscheidungen mitzureden und sich ohne Angst zu äußern.
trägt zur Regeneration der Natur bei und bleibt innerhalb planetarer Grenzen.
reduziert Überproduktion und erhöht gleichzeitig die Job-Sicherheit.
macht Unternehmen und deren Führungskräfte für verursachte Schäden verantwortlich.
verfolgt neue Methoden und gerechte Wege für den Anbau und die Verarbeitung von Rohstoffen sowie für die Herstellung, den Transport, den Verkauf, das Recycling und die Verwertung von Bekleidung, Schuhen und Accessoires.
entsteht durch gemeinsames Engagement und globale Solidarität.
Wer wir sind
Wir sind Menschen, die Kleidung herstellen und tragen. Wir sind Aktivist*innen, soziale und ökologische Bewegungen, zivilgesellschaftliche Organisationen, (Mit-)Arbeiter*innen im Modesystem, Gewerkschaften, Arbeitsrechtsorganisationen und Verbündete – vereint im Kampf für eine Welt ohne Ausbeutung. Gemeinsam erheben wir unsere Stimmen für ein gerechtes Modesystem, das Arbeiter*innenrechte respektiert und zur Regeneration der Natur beiträgt.
Unsere Vision ist ein Wandel hin zu einem gerechten Modesystem.
#1 Ein Modesystem, in dem menschenwürdige Arbeit garantiert ist – unabhängig von Arbeiter*in, Standort oder Job.
Ein gerechtes Modesystem basiert auf Würde, Gerechtigkeit und Gleichheit für alle Arbeiter*innen. Jede*r hat das Recht auf sichere, gesunde Arbeitsbedingungen – frei von Belästigung, Missbrauch und geschlechtsspezifischer Gewalt. Arbeitsrechte gelten entlang der gesamten Wertschöpfungskette, für alle, die Rohstoffe anbauen und verarbeiten sowie Kleidung, Schuhe und Accessoires herstellen, transportieren, verkaufen, reparieren, recyceln und entsorgen. Arbeitsrechte gelten unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Klasse, Kaste, Alter, Sexualität, körperlicher Fähigkeit, Migrationsstatus, Beschäftigungsform oder Arbeitsplatz. Menschenwürdige Arbeit ist heute, während des Wandels und in Zukunft garantiert.
#2 Ein Modesystem, in dem ein würdevolles, klimaresilientes Leben für alle durch universelle soziale Absicherung ermöglicht wird.
Universelle soziale Absicherung stärkt nicht nur die Resilienz der Arbeiter*innen, sondern auch unsere kollektive Widerstandsfähigkeit gegen soziale und klimatische Erschütterungen. Jede*r hat, bei Bedarf, Anspruch auf Krankengeld, Mutterschutz, Elternzeit und -geld, Abfindungen, Rente und Arbeitslosengeld. Öffentliche Ausgaben dienen den Menschen statt sozialer und ökologischer Zerstörung. Regierungen und Unternehmen passen die Arbeitsstätten an, um die Beschäftigten vor den direkten Auswirkungen einer sich wandelnden Umwelt zu schützen. Gesetze und durchsetzbare Markenabkommen (wie der International Accord) machen Marken für das Wohl und die Sicherheit der Arbeiter*innen verantwortlich. Marken tragen zudem finanziell zu öffentlichen Sozialsystemen in den Produktionsländern bei – zusätzlich zu den Zahlungen ihrer Lieferanten.
#3 Ein Modesystem, in dem die Existenz der Arbeiter*innen über Profiten von Unternehmen steht.
Ein gerechtes Modesystem bereichert das Leben der Arbeiter*innen, ihrer Familien und ihrer lokalen Gemeinschaften. Mode-Milliardär*innen akkumulieren nicht mehr Reichtum, der durch die harte Arbeit in der Produktion erzeugt wurde. Gewinne werden gerecht verteilt, dabei haben die Bedürfnisse von Menschen und Umwelt Vorrang vor Profiten von Führungskräften und Aktionär*innen. Existenzsichernde Löhne ermöglichen es allen, Lebensnotwendiges zu bezahlen und Ersparnisse aufzubauen. Unternehmen und ihre Eigentümer*innen zahlen gerechte Steuern entlang der Lieferkette, um soziale Absicherung und Klimaanpassung für alle zu finanzieren. Investitionen fließen weg von Unternehmen, die von Schaden profitieren, und finanzieren Organisationen, die neue Modelle der Fürsorge, Gerechtigkeit und Gleichheit verfolgen. Unternehmen kalkulieren existenzsichernde Löhne, soziale Absicherung und Klimafolgen in ihre Einkaufspraktiken ein. Der Wandel zu einem gerechten Modesystem wird gerecht finanziert: Historisch verantwortliche Unternehmen und Länder tragen die Kosten für Anpassung und Klimaschutz. Die Kosten des Klimawandels und der Anpassung daran werden niemals denen aufgelastet, die ohnehin schon die schwerste Last zu tragen haben.
#4 Ein Modesystem, in dem jede*r Mitsprache bei Entscheidungen hat, die das eigene Leben betreffen.
Der Weg in eine gerechte, grüne Zukunft wird durch die Bedürfnisse und die Expertise der Arbeiter*innen geebnet. Jede*r hat ein Mitspracherecht. Wir organisieren uns frei in unabhängigen Gewerkschaften, anderen von Arbeiter*innen geführten Organisationen und sozialen Bewegungen, um bessere Arbeitsbedingungen und Klimaschutz zu verhandeln. Arbeiter*innen gestalten ihren Arbeitsplatz und ihre Arbeitsbedingungen mit und wie die Arbeit geleitet wird. Wissen über Menschen- und Arbeitsrechte befähigt Arbeiter*innen, diese zu verteidigen und voranzubringen. Schulungen zu Klima- und Ökologiethemen unterstützen sie, über die Zukunft der Branche zu entscheiden. Und das in jeder Phase. Umverteilung von Profiten und Respekt für planetare Grenzen werden durch starke Arbeitsgesetze, Tarifverträge und sozialen Dialog ermöglicht. Jede*r kann sich ohne Angst vor Repression äußern.
#5 Ein Modesystem, in dem die Produktion von Kleidung die Bedürfnisse aller erfüllt – im Einklang mit planetaren Grenzen.
Ein gerechtes Modesystem lehnt die kapitalistische „Nehmen-Herstellen-Wegwerfen“-Logik ab, die die Ausbeutung von Arbeiter*innen und Umwelt befördert. Produktionsmodelle werden so umgestaltet, dass sie die Rechte der Arbeiter*innen, menschenwürdige Arbeit und die planetarischen Grenzen respektieren. Bewusste „Veralterung” von Neuware und Überbestände werden aus den Geschäftsmodellen der Marken verbannt. Hochwertige, geschätzte Produkte werden so hergestellt, dass sie im Umlauf bleiben und nur selten entsorgt werden. Modemarken tragen die Verantwortung für den gesamten Lebenszyklus ihrer Produkte, von den Rohstoffen bis zum Ende ihrer Lebensdauer. Sie finanzieren Abfallmanagementsysteme und schützen Arbeiter*innen und die lokale Bevölkerung vor den ökologischen und gesundheitlichen Folgen von Textilmüll. Die Modeproduktion bedroht nicht länger unser Recht auf Nahrung, Land und Wasser; natürliche Ressourcen werden nicht länger vermarktet. Die Ressourcennutzung richtet sich nach den tatsächlichen globalen und lokalen Bedürfnissen und dem Wohle der Allgemeinheit. Eine gerechte Bekleidungsproduktion geht über die Minimierung von Auswirkungen und Produktionsmengen hinaus . Sie fördert aktiv eine heilende Beziehung zur Erde und all ihrer Lebewesen.
#6 Ein Modesystem, in dem menschenwürdige Arbeit, Job-Sicherheit und Löhne steigen, während die Produktionsmengen sinken.
Nicht mehr Gewinn oder Wachstum bestimmen die Produktion. Stattdessen wird Erfolg am Wohlergehen der Arbeiter*innen und der Umwelt gemessen. Universelle existenzsichernde Löhne führen zu einer Senkung der Produktionsziele und der Überstunden, was einen Rückgang des Gesamtproduktionsvolumens der Marken zur Folge hat. Die Preise für Kleidung spiegeln endlich die wahren Kosten der Arbeit wider. Arbeiter*innen produzieren nun weniger, arbeiten weniger Stunden, verdienen aber mehr und organisieren sich frei in Gewerkschaften. Geplante Produktionsgrenzen werden demokratisch festgelegt, um Emissionen zu minimieren, die globale Erwärmung zu stoppen und die Artenvielfalt wiederherzustellen. Alternative Geschäftsmodelle – von Vorbestellungen und Reparaturen bis hin zu Vermietung und Wiederverkauf – werden eingeführt, um die Produktion zu reduzieren oder zu ersetzen. Ein gerechtes Modesystem bietet allen mehr, nicht weniger: mehr Freizeit, einen höheren Lebensstandard und einen gesünderen Planeten.
Alle Einsparungen werden sorgfältig mit den Arbeiter*innen und ihren Gewerkschaften ausgehandelt, um plötzliche Jobverluste, Werksschließungen und Einkommensunsicherheit zu verhindern. Verantwortungsvolle Ausstiegspläne und Abfindungen sichern die Arbeiter*innen im Falle von Betriebsschließungen ab. Umschulungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten bieten den Arbeiter*innen sicherere, klimaresilientere Arbeitsplätze oder alternative Beschäftigungsmöglichkeiten, während die Branche auf den Klimawandel reagiert. Handelsbeziehungen und internationale Unterstützung versetzen die Produktionsländer in die Lage, ihre eigene Wirtschaftskraft in anderen Sektoren aufzubauen, um globale Gerechtigkeit bei der Schaffung neuer grüner Arbeitsplätze zu gewährleisten. Globale Marken, zulieferende Betriebe, Investor*innen und Regierungen übernehmen gemeinsam Verantwortung für den Schutz von Arbeitsplätzen, indem sie langfristige Beschaffung umsetzen und Umschulungsmöglichkeiten bereitstellen. Niemand wird zurückgelassen.
#7 Ein Modesystem, in dem Unternehmen für alle von ihnen verursachten Schäden haften.
Freiwillige Verpflichtungen werden die ungebremste Macht der Unternehmen nicht eindämmen und den Arbeiter*innen keine Gerechtigkeit verschaffen, rechtsverbindliche globale Regeln hingegen schon. Ein gerechtes Modesystem zieht Unternehmen rechtlich und finanziell zur Verantwortung für alle sozialen oder ökologischen Schäden, die sie direkt oder indirekt verursachen. Nach dem Gesetz erstreckt sich die Verantwortung der Unternehmen auf die gesamte Wertschöpfungskette und den gesamten Lebenszyklus ihrer Produkte. Die Haftung ist umfassend: Modemarken haften für das Handeln ihrer Zulieferer – unabhängig vom Standort ihrer Hauptsitze. Alle Marken prüfen regelmäßig ihre Lieferketten, um Menschenrechtsrisiken zu identifizieren, zu verhindern und jeden Verstoß wiedergutzumachen. Transparenzgesetze ermöglichen es, die Aussagen von Unternehmen, politische Entscheidungen und Geschäftspraktiken zu überprüfen.
Ein gerechtes Modesystem verhindert nicht nur zukünftige Schäden. Es macht vergangenes Unrecht wieder gut und gleicht globale Machtungleichgewichte aus. Modemarken leisten Wiedergutmachung für historische Ungerechtigkeiten gegenüber Arbeiter*innen und beheben alle gegenwärtigen oder künftigen Rechtsverletzungen. Jede*r Arbeiter*in kann ohne Angst vor Repression Gerechtigkeit einfordern. Nationale Arbeitsbehörden sind gut finanziert. Sie können die Modeindustrie effektiv überwachen und die Einhaltung der Gesetze durchsetzen.
#8 Ein Modesystem, in dem Kleidung wertvoll und bedeutungsvoll ist und Tragende und Produzierende verbindet.
Wir fordern Kleidung, die frei von Ausbeutung und Unterdrückung ist! Mode soll all unsere Bedürfnisse erfüllen – kreativ, funktional und sozial –, statt die Gewinne von Konzernen zu maximieren. Veränderungen in der Produktion, existenzsichernde Löhne und eine blühende Share-Economy machen nachhaltige Mode zugänglicher. Kleiderschränke werden nach und nach mit gerecht hergestellten Kleidungsstücken, Schuhen und Accessoires gefüllt. Schneidereien, Tauschbörsen, Secondhand-Läden und -Bibliotheken, Reparaturwerkstätten sowie Schulungen zur Kleiderpflege sorgen dafür, dass Kleidung im Umlauf bleibt. Werbung, soziale Medien und Modezeitschriften fördern neue Ideale: Langlebigkeit und handwerkliche Qualität statt billiger, kurzlebiger Trends. Greenwashing und Social Washing sind verboten, ebenso wie jegliche Marketingmaßnahmen, die Arbeiter*innenausbeutung und Umweltzerstörung anheizen. Langsamerer, bewussterer Konsum setzt Energie frei für kollektives Handeln und Gemeinschaft. Wir sehen uns als mehr als nur Konsument*innen. Wir schätzen Kleidung als kulturellen und individuellen Ausdruck und respektieren die Arbeit, die dahinter steht.
#9 Ein Modesystem, in dem gerechte Mode auf globaler Solidarität und kollektivem Handeln aufbaut.
Solidarität ist der Faden, der die Menschen verbindet, die Kleidung herstellen und tragen. Jede*r ist eingeladen, an einem gerechten Modesystem mitzuwirken. Unsere gemeinsame Kraft zeigt sich auf vielfältige Weise, etwa indem wir uns in Gewerkschaften organisieren, Arbeiter*innenkämpfe unterstützen, Marken und Regierungen unter Druck setzen, gerechte Mode fördern – und die Wegwerfkultur ablehnen. Der Aufbau von Gemeinschaften, gegenseitige Hilfe und Wissensaustausch stärken unseren gemeinsamen Kampf für soziale und Klimagerechtigkeit. Jede individuelle Aktion macht einen Unterschied. Doch gemeinsam sind wir stärker. Veränderung beginnt nicht in Chefetagen. Sie beginnt bei uns: den Menschen, die Kleidung herstellen und tragen. Unsere gemeinsame Zukunft liegt in unseren Händen.
Erhebe deine Stimme für ein gerechtes Modesystem! Unterschreibe das Manifest und verpflichte dich, eine Welt mitzugestalten, die Mensch und Planet über Profite stellt.
Glossar
Abfindung (Severance Pay): Finanzielle Entschädigung, auf die Arbeiter*innen Anspruch haben, wenn ihr Arbeitsverhältnis unfreiwillig endet, z. B. bei Werksschließungen oder Stellenabbau.
Anpassung (Adaptation): Maßnahmen, die darauf abzielen, sich auf Klimafolgen vorzubereiten, die Verwundbarkeit zu verringern und die Resilienz gegenüber dem Klimawandel zu stärken.
Einkaufspraktiken (Purchasing Practices): Die Art und Weise, wie Unternehmen mit ihren Lieferanten zusammenarbeiten und bei ihnen einkaufen, einschließlich Auftragsvolumen, Zahlungsbedingungen und Fristen. Problematische Einkaufspraktiken wirken sich negativ auf die Arbeit*innen in der Lieferkette aus. Ausbeuterische Preisgestaltung führt i. d. R. zum Senken der Löhne und erhöht das Risiko von übermäßigem Produktionsdruck sowie unbezahlten Überstunden. Stornierungen in letzter Minute, Auftragsänderungen, nachträgliche Rabatte und unbezahlte Rechnungen können zu Lohndiebstahl und Massenentlassungen führen.
Gerechter Wandel (Just Transition): Ein Wandel hin zu einer kohlenstoffarmen Welt, die gerecht und inklusiv ist und keine Arbeiter*innen zurücklässt. Diese Forderung entstand in der Gewerkschaftsbewegung und ist u. a. im Pariser Abkommen von 2015 verankert.
Internationaler Accord für Gesundheit und Sicherheit in der Textil- und Bekleidungsindustrie (International Accord): Ein rechtlich bindendes Abkommen zwischen Marken und Gewerkschaften, das nach dem Einsturz des Rana-Plaza-Gebäudes in Bangladesch 2013 geschlossen wurde. Der Accord stellt sicher, dass Fabriken, die für unterzeichnende Marken produzieren, regelmäßig überprüft werden, und identifizierte Sicherheitsrisiken behoben werden.
Menschenwürdige Arbeit (Decent Work): Ein von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) entwickeltes Konzept, das produktive Arbeit für alle unter Bedingungen der Freiheit, Gerechtigkeit, Sicherheit und Menschenwürde bedeutet. Die Agenda der ILO für die Arbeitswelt konzentriert sich auf die Schaffung von Arbeitsplätzen, Arbeitsrechten, sozialen Schutz und den sozialen Dialog – die vier Säulen menschenwürdiger Arbeit.
Minderung (Mitigation): Maßnahmen zur Reduzierung oder Vermeidung von Emissionen, um die Erderwärmung zu begrenzen.
Planetare Grenzen (Planetary Boundaries): Neun miteinander verbundene, lebenserhaltende Systeme, die die Stabilität des Planeten regulieren. Das Einhalten dieser Grenzen verhindert irreversible Umweltschäden.
Soziale Absicherung (Social Protections): Eine Kombination aus Arbeitsschutz, sozialer Sicherheit und öffentlichen Dienstleistungen, die darauf abzielt, Armut, Gefährdung und soziale Ausgrenzung zu verringern und zu verhindern. Dazu gehören Löhne, Arbeitsbedingungen, Gesundheit und Sicherheit, Krankengeld, Mutterschafts- und Elternurlaub sowie entsprechende Bezüge, Abfindungen, eine Rentenversicherung, Arbeitslosengeld, Bildung, Gesundheitsversorgung und berufliche Weiterbildung.
Sozialer Dialog (Social Dialogue): Ein Weg für Arbeiter*innen, ihre Interessen voranzutreiben und ihre Arbeitsbedingungen durch Verhandlungen, Konsultationen und Informationsaustausch zwischen Arbeiter*innenvertretungen, Arbeitgeber*innen und Regierungen in Bezug auf soziale und wirtschaftliche Politik zu verbessern.
Tarifverträge (Collective Bargaining Agreements): Transparente, verbindliche und durchsetzbare Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber*innen und Arbeiter*innen (vertreten durch Gewerkschaften) über die Arbeitsbedingungen.
Verbindliche Vereinbarung (Binding agreement): Ein rechtlich durchsetzbarer Vertrag zwischen zwei oder mehr Parteien. In der Modebranche gibt es zahlreiche Beispiele für verbindliche Vereinbarungen, darunter das Internationale Abkommen, Tarifverträge und durchsetzbare Markenvereinbarungen, die von mindestens einer Marke und einer Gewerkschaft ausgehandelt, umgesetzt und unterzeichnet werden. Die Clean Clothes Campaign setzt sich derzeit für einen Abfindungsgarantiefonds ein: eine rechtsverbindliche Vereinbarung, die sicherstellt, dass Arbeiter*innen nie wieder mittellos dastehen, wenn ihre Fabrik in Konkurs geht.
Anmerkungen
Dieses Manifest wurde kollektiv mit dem Netzwerk der Clean Clothes Campaign und dessen Verbündeten entwickelt: mit jungen Menschen, mit Arbeiter*innen und ihren Interessenvertretungen, mit Bürger*innen. Die endgültige Fassung berücksichtigt Hunderte von Beiträgen, Kommentaren und Standpunkten, die online und offline gesammelt wurden. Wir danken allen, die sich an diesem Prozess beteiligt haben, sowie den Organisationen, die unsere Vision eines gerechten Modesystems unterstützen und mittragen.
Dieses Manifest knüpft an die Arbeit all jener an, die sich für Arbeits- und Umweltrechte engagieren, und leistet einen Beitrag dazu. Insbesondere:
Das Manifest für einen gerechten Übergang in der Textil- und Bekleidungslieferkette, Internationaler Gewerkschaftsbund und IndustriAll Global Union
Die Agenda für menschenwürdige Arbeit der ILO, Internationale Arbeitsorganisation
Das Klimaabkommen von Paris - Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen, um den Klimawandel einzudämmen und die Weltwirtschaft klimafreundlich umzugestalten.
FASHIONING A JUST TRANSITION / GESTALTUNG EINES GERECHTEN WANDELS
Das Manifest wurde im Rahmen des Projekts „Fashioning a Just Transition“ verfasst, das von der Europäischen Union kofinanziert wird. Der Inhalt liegt in der alleinigen Verantwortung der Clean Clothes Campaign und spiegelt nicht notwendigerweise die Ansichten der Europäischen Union wider. Zum Just Fashion Manifest arbeiteten in Deutschland die Kampagne für Saubere Kleidung und das SÜDWIND-Institut zusammen.